CRM Lastenheft erstellen: Der ultimative Guide

Die Einführung eines CRM-Systems wie vtiger ist kein IT-Projekt, ciert auf reiner Software-Installation. Es ist ein massiver Eingriff in Ihre Geschäftsprozesse. Wer beim Lastenheft erstellen spart, zahlt später doppelt – durch Fehlkonfigurationen, mangelnde User Acceptance und explodierende TCO (Total Cost of Ownership).

Ein professionelles Lastenheft ist Ihre Entscheidungsgrundlage. Es transformiert vage Wünsche in exakte Abnahmekriterien. In diesem Experten-Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie mit Methoden wie der Nutzwertanalyse und der Priorisierung nach DIN 69901 ein Dokument erschaffen, das Ihren Projekterfolg garantiert.


1. Die methodische Basis: Ist-Analyse und Business Process Reengineering

Ein fataler Fehler bei der CRM Einführung ist die bloße Digitalisierung schlechter oder veralteter Prozesse. Wer ein Chaos digitalisiert, hat am Ende ein digitales Chaos. Bevor Sie konkrete Anforderungen definieren, steht daher eine schonungslose Ist-Analyse an.

  • Prozess-Audit (Status Quo erfassen):

Dokumentieren Sie jeden einzelnen Touchpoint im Vertrieb, Marketing und Support. Gehen Sie ins Detail: Wo müssen Mitarbeiter Daten händisch von Excel in ein anderes System übertragen? Wo liegen die kritischen Medienbrüche, die Zeit und Informationen fressen? Ein Audit bedeutet, die Anwender zu interviewen, statt nur die Theorie der Geschäftsführung abzufragen.

  • Business Process Reengineering (BPR):

Nutzen Sie die CRM-Auswahl als Katalysator für echte Veränderung. CRM-Software wie vtiger sollte nicht Ihren (vielleicht ineffizienten) Status Quo eins-zu-eins abbilden. Das Ziel des BPR ist es, verkrustete Strukturen aufzubrechen und Prozesse so radikal zu optimieren, dass sie durch vtiger CRM maximal automatisiert werden können. Fragen Sie sich bei jedem Prozessschritt: "Dient dieser Schritt dem Kundennutzen alebo kann er durch Workflow-Automatisierung entfallen?"

👉 Weiterführende Analyse: Bevor Sie ins Detail gehen, ist die Identifikation der richtigen Ansprechpartner entscheidend. Lesen Sie hierzu unseren Guide über Stakeholder-Analyse und Prozess-Mapping

👉 Vertiefender Hinweis: Eine detaillierte Aufarbeitung, wie Sie strategische Ziele in messbare Kennzahlen übersetzen, finden Sie in unserem Leitfaden zum CRM Anforderungsmanagement


2. Struktur nach Norm: Lastenheft Gliederung und DIN 69901

Ein Dokument, das „irgendwie“ verfasst wurde, wird von erfahrenen Software-Anbietern oft ignoriert oder führt unweigerlich zu überteuerten Angeboten. Warum? Weil Unklarheit ein Risiko darstellt, das Anbieter durch einen sogenannten „Risiko-Zuschlag“ einpreisen. Wir setzen daher konsequent auf die Lastenheft Gliederung nach DIN 69901. Dies schafft eine universelle, belastbare Sprache zwischen Ihrer Fachabteilung und der IT-Welt.

Die unverzichtbaren Sektionen Ihrer Anforderungsspezifikation:

  • Zielbestimmung (Was ist der Business-Case?):

Beschreiben Sie nicht nur Funktionen, sondern Ziele. Was soll nach der CRM-Einführung messbar besser sein? Definieren Sie Key Performance Indicators (KPIs), wie z. B. eine 20 % schnellere Rechnungsstellung oder eine Steigerung der Lead-Konvertierungsrate um 15 %. Nur so wird das CRM zum Investment statt zum Kostenfaktor.

  • Produkteinsatz (Stakeholder & Kontext):

Wer genau arbeitet mit dem System? In dieser Sektion definieren Sie die Zielgruppen und Stakeholder. Ein Außendienstmitarbeiter hat völlig andere Anforderungen an die Usability als ein Controller. Die DIN-Norm verlangt hier eine klare Abgrenzung des Anwendungsbereichs, um Fehlentwicklungen am Nutzer vorbei zu vermeiden.

  • Funktionale Anforderungen (Das „Was“):

Hier definieren Sie die harten Fakten der Software-Leistung. Es geht um konkrete Geschäftsprozesse: Lagerbestand-Synchronisation in Echtzeit, automatisierte Ticket-Zuweisung im Support oder die Abbildung komplexer Verkaufspotentiale. Jede Anforderung sollte so formuliert sein, dass sie später objektiv prüfbar ist.

  • Nicht-funktionale Anforderungen (Das „Wie“):

Dies ist oft der am kritischsten unterschätzte Bereich. Hier geht es um die Systemqualität und Zukunftsfähigkeit: DSGVO-Konformität, Datensicherheit, Skalierbarkeit bei wachsenden Datensätzen und die System-Performance. Diese Punkte entscheiden darüber, ob Ihr vtiger CRM auch in fünf Jahren noch stabil, sicher und effizient läuft.


3. Die Macht der Priorisierung: Must-have vs. Nice-to-have

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Dass die Priorisierung das kritische Element ist, belegen auch die über 12.100 monatlichen Suchanfragen zu diesem Thema. Ohne eine klare Gewichtung scheitert fast jedes CRM-Projekt am schleichenden „Feature-Creep“ – einer unkontrollierten Ausweitung der Anforderungen, die das Budget sprengt und den Go-Live in weite Ferne rückt.

Nutzen Sie das MoSCoW-Prinzip für eine klare Struktur:

Priorität Bedeutung CRM Beispiel (vtiger)
Must-have (M) Unverzichtbare K.-o.-Kriterien: Ohne diese Funktionen ist das System wertlos. API-Schnittstelle zum ERP, volle DSGVO-Konformität
Should-have (S) Wichtig, aber nicht kritisch: Funktionen mit hohem Mehrwert, für die es kurzfristig Workarounds gibt. Mobile App für den Außendienst, BI-Dashboards
Could-have (C) Nice-to-have: „Wunschliste“ für die Workflow-Optimierung, wenn Budget und Zeit es erlauben. Social Media Feed Integration, Gamification-Elemente
Won't-have (W) Aktuell nicht geplant: Anforderungen, die bewusst für spätere Phasen ausgeklammert werden. KI-basierte Umsatzprognosen (Phase 2 oder 3)

Diese Gewichtung ist nicht nur eine interne Orientierungshilfe, sondern die zwingende Voraussetzung für die anschließende Nutzwertanalyse. Nur wer seine Prioritäten kennt, kann die Angebote verschiedener Anbieter objektiv vergleichen und eine fundierte Investitionsentscheidung treffen.


4. Nutzwertanalyse: Die mathematische Entscheidungsgrundlage

Mit einer monatlichen Suche von 14.800 ist die Nutzwertanalyse das Werkzeug, das in der professionellen Software-Evaluierung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Viele Projekte scheitern, weil Entscheidungen auf Basis von Sympathie für eine Benutzeroberfläche getroffen werden. Unser Rat: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, aber vertrauen Sie am Ende ausschließlich Ihren Zahlen.

So führen Sie die Nutzwertanalyse für Ihren CRM-Vergleich durch:

Die Nutzwertanalyse (NWA) macht komplexe, qualitative Anforderungen vergleichbar und liefert Ihnen ein objektives Ranking der Anbieter:

  • Kriterienkatalog erstellen:

Übernehmen Sie die funktionalen und nicht-funktionalen Punkte aus Ihrem Anforderungsprofil. Teilen Sie diese in logische Gruppen ein (z. B. Vertrieb, Technik, Support).

  • Gewichtung (Wichtigkeit):

Vergeben Sie für jedes Kriterium einen Gewichtungsfaktor (z. B. von 1 bis 10 oder prozentual). Ein Must-have erhält logischerweise die höchste Gewichtung. Hier legen Sie fest, was für Ihr spezifisches Geschäftsmodell wirklich zählt.

  • Bewertung der Anbieter (Scoring):

Benoten Sie vtiger CRM und die Wettbewerbssysteme auf einer Skala (z. B. 0 bis 5 Punkte). Erfüllt das System die Anforderung gar nicht, im Standard oder nur durch teure Individualprogrammierung?

  • Ergebnisberechnung:

Die Summe aus (Gewichtung x Bewertung) liefert Ihnen pro Anbieter einen objektiven Gesamtwert (Score).

Dies ist die einzige Methode, um eine Entscheidungsgrundlage zu schaffen, die auch vor einer kritischen Geschäftsführung oder dem Controlling standhält. Sie machen den Auswahlprozess transparent, revisionssicher und nachvollziehbar.


5. Systemarchitektur und Nicht-funktionale Anforderungen (NFA)

Ein häufiger Fallstrick beim Lastenheft erstellen ist die einseitige Fixierung auf sichtbare Features und bunte Dashboards. Doch die wahre Belastbarkeit und der langfristige ROI eines CRM-Systems wie vtiger entscheiden sich in den nicht-funktionalen Anforderungen (NFA). Diese definieren die Qualität, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit Ihrer gesamten Systemarchitektur.

Die drei Säulen einer stabilen CRM-Architektur:

  • Skalierbarkeit & Performance (Zukunftssicherheit):

Wie verhält sich das System, wenn Ihr Unternehmen wächst? Ein CRM, das bei 100.000 Kontakten oder 50 gleichzeitigen Zugriffen spürbar langsamer wird, vernichtet die tägliche Produktivität Ihrer Mitarbeiter. Definieren Sie in Ihrer Anforderungsspezifikation klare Zielvorgaben für Antwortzeiten bei komplexen Datenbankabfragen und Berichten.

  • DSGVO-Konformität & Security (Compliance):

Datenschutz ist im deutschen Mittelstand keine Option, sondern eine Existenzfrage. Ein granulares Rechte- und Rollenkonzept ist hierbei das Fundament. Dokumentieren Sie präzise Anforderungen an die Datenverschlüsselung (at rest & in transit), regelmäßige Backup-Zyklen und die revisionssichere Protokollierung von Datenzugriffen. Nur so bestehen Sie jedes Audit.

  • Schnittstellen-Ökonomie (Vernetzung statt Silos):

Fordern Sie eine vollständig dokumentierte und leistungsfähige API-Schnittstelle. Eine saubere Drittsystem-Integration (ERP, Buchhaltung, Marketing-Automation) entscheidet darüber, ob Ihr CRM ein isoliertes Datensilo bleibt oder zum „Single Source of Truth“ für Ihr gesamtes Unternehmen wird. Vermeiden Sie doppelte Datenpflege durch automatisierte Synchronisationsprozesse.


6. Abnahmekriterien: Der Brückenschlag zum Projekterfolg

Das Lastenheft ist kein statisches Dokument, das nach der Erstellung im Archiv verschwindet – es ist ein zentrales Vertragselement. Jede einzelne Anforderung in Ihrem Anforderungsprofil muss durch klare, unmissverständliche Abnahmekriterien verifizierbar sein. Ohne diese Kriterien bleibt die Software-Einführung eine gefährliche Interpretationssache.

Stellen Sie sich bei jedem Punkt die konsequente Frage: „Wie weise ich objektiv nach, dass diese Anforderung zu 100 % erfüllt ist?“

Warum Präzision Claims verhindert:

Vage Formulierungen sind der Nährboden für Projektverzögerungen und Nachforderungen (Claims).

  • Negativ-Beispiel:

„Das System muss Rechnungen generieren können.“ (Zu vage – wie, wann und in welchem Format?)

  • Profi-Formulierung (vtiger CRM):

„Die automatisierte Rechnungsstellung muss aus einem abgeschlossenen Verkaufspotential innerhalb von maximal 3 Klicks ein rechtssicheres PDF nach aktuellen GoBD-Richtlinien erzeugen und dieses automatisch im Kundenakt archivieren.“

Die Struktur eines guten Abnahmekriteriums:

Ein belastbares Abnahmekriterium beschreibt den Input, den Prozess und das erwartete Ergebnis. Nur wenn diese drei Komponenten erfüllt sind, gilt ein Feature als abgenommen.

Diese methodische Präzision verhindert spätere Diskussionen mit dem Implementierungspartner, schützt Ihr Budget und sichert die Qualität der Implementierung von der ersten Code-Zeile an. Denken Sie daran: Ein Lastenheft ohne Abnahmekriterien ist lediglich eine Wunschliste, aber kein professionelles Steuerungsinstrument.


7. Compliance und Normen: Warum DIN 69901 den Unterschied macht

In der deutschen Industrielandschaft ist die Einhaltung von Standards ein unmissverständliches Zeichen von Professionalität. Indem Sie Ihr Lastenheft nach der DIN 69901 strukturieren, signalisieren Sie potenziellen Implementierungspartnern eine hohe Prozessreife. Dies ist kein reiner Selbstzweck: Eine genormte Struktur führt nachweislich zu präziseren Aufwandsschätzungen und reduziert den bereits erwähnten „Risiko-Aufschlag“ in den Angeboten drastisch.

Ein Lastenheft nach Norm beinhaltet zwingend:

Die DIN 69901 gibt einen Rahmen vor, der sicherstellt, dass keine kritischen Aspekte vergessen werden. Ein normgerechtes Dokument umfasst:

  1. Zielbestimmung:

Welches übergeordnete Business-Ziel wird verfolgt? (Strategischer Kontext).

  1. Produkteinsatz:

In welchem Umfeld und von welchen Zielgruppen wird das System genutzt?

  1. Produktübersicht:

Eine zusammenfassende Beschreibung der Systemlandschaft.

  1. Spezifische Anforderungen:

Die detaillierte Auflistung funktionaler und nicht-funktionaler Anforderungen.

  1. Lieferumfang:

Was genau wird am Ende übergeben (z. B. Software-Lizenzen, Dokumentation, Schulungsunterlagen)?

Durch diese Standardisierung machen Sie die Angebote verschiedener CRM-Anbieter erst wirklich vergleichbar. Ohne eine einheitliche Struktur nach DIN vergleichen Sie sprichwörtlich Äpfel mit Birnen – ein Risiko, das Sie sich bei einer geschäftskritischen Entscheidung wie der CRM-Auswahl nicht leisten sollten.


Fazit: Von der Theorie zur Nutzwertanalyse

Das Erstellen eines Lastenhefts ist der wichtigste Hebel für den ROI Ihres CRM-Systems. Es zwingt Ihr Unternehmen zur notwendigen Selbstreflexion: Sind unsere Prozesse wirklich bereit für die Digitalisierung? Durch die methodische Verknüpfung von Ist-Analyse, Priorisierung und einer abschließenden Nutzwertanalyse eliminieren Sie das Risiko einer kostspieligen Fehlentscheidung.

Sie schaffen eine Entscheidungsgrundlage, die nicht auf der Sympathie für einen Verkäufer basiert, sondern auf messbaren Fakten, harten K.-o.-Kriterien und technischer Realität.

Ihr Werkzeugkasten für den Projektstart

Theorie ist wertvoll, aber die Praxis entscheidet über den Erfolg. Um Ihnen den Prozess so einfach wie möglich zu machen, haben wir eine spezialisierte Vorlage entwickelt, die alle hier genannten Methoden (inkl. Priorisierungs-Matrix und Nutzwertanalyse-Rechner) vereint.

👉 Vorlage anfordern: CRM Lastenheft Vorlage – Fordern Sie unsere bewährte Vorlage an, starten Sie strukturiert in Ihr Projekt und sparen Sie wertvolle Zeit bei der Erstellung.

👉 Audit-Service: Haben Sie Ihr Lastenheft bereits erstellt? Nutzen Sie unseren Experten-Check für CRM-Anforderungsprofile, um Ihr Dokument auf technische Machbarkeit und Optimierungspotenziale mit vtiger CRM prüfen zu lassen.

👉 Deep-Dive: Lesen Sie auch unseren Fachbeitrag über die kritischen Unterschiede zwischen Lastenheft vs. Pflichtenheft, um Rollenkonflikte und Missverständnisse im Projektverlauf zu vermeiden.

Veröffentlicht in Tutorials 23 Jan 2026
Jozef Nano
Jozef Nano

Senior Software Engineer / Tech Lead

Mein Herz schlägt für die Schaffung mobil- und webbasierter Anwendungen, deren Nutzung ein echtes Erlebnis ist.

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